Vorhang auf – Prüfungspanik…

Das schaffst du schon Mama

 

Ich habe Prüfungsangst. Nein! Falsch! Ich hatte Prüfungsangst. Und zwar genau so lange, bis ich durch die Prüfung durchgefallen bin, auf die mich am meisten gefreut habe. Eine Prüfung, die mir sehr wichtig war. Die ich unbedingt ablegen wollte. Mit der ich beweisen wollte: schaut, ich kann das! Keine Schulaufgabe. Nicht das Abitur. Nicht die Führerscheinprüfung. Nichts, was mich am Leben hält und keine Prüfung von der mein Leben abhängt. Sondern eine Prüfung, zu der ich mich aus eigenen Stücken angemeldet habe. Auf die ich mich fünf Jahre vorbereitet habe.

„Der Mensch setzt Wissen an, die das Schwein Speck!“ hat mein Papa immer gesagt. Und ich habe Wissen gesammelt. Mich mit dem Prüfungsthema beschäftigt. Ich wollte ganz unbedingt Richterin werden. Nicht bei Gericht. Keine Juristin. Ich wollte auf die Richterliste des Bayerischen Reit- und Fahrverbands. Wollte als Turnierfachkraft geführt werden. Wollte meiner Leidenschaft, dem Reitsport, verbunden bleiben. Dafür habe ich Wissen gesammelt. Auf Reitturnieren. Auf Seminaren. Bei Lehrgängen. Habe Testate gemacht. Habe Bücher gewälzt. Habe die Leistungsprüfungsordnung genauso gewissenhaft studiert wie die Bücher über Reitlehre und Parcoursbau. Es gab einige Hürden zu nehmen auf dem Weg zur Prüfungszulassung – die habe ich alle genommen. Es hat mir ganz viel Spaß gemacht.

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Dann war es endlich so weit. Prüfungswoche. Mit all meinem Wissen, meinen erfolgreichen Vorprüfungen und meinen guten Testaten bin ich zu dieser Prüfung gefahren – und wusste nix mehr. Nicht mal mehr wie ich heiße. Ich hatte solche Angst, diese Prüfung nicht zu bestehen, dass es mir noch bevor es losging, die Sprache verschlagen hat. „Können Sie mir hier bei diesem Pferd die Hinterhand zeigen?“ ich habe geweint und gesagt „Nein!“ Ich habe geweint. Wirklich. Ich stand wie ein kleines Kind da. Habe diese riesig großen Menschen angeschaut und „Nein“ gesagt. Ich konnte es auch wirklich nicht. Die letzte Prüfungsfrage: „Erklären Sie uns doch mal den Unterschied, zwischen Innerer- und Äußerer Losgelassenheit“ diese Frage kam am Freitagnachmittag. 1 Tag nach meinem 30. Geburtstag. Und nach 2 Tagen höchster Anspannung konnte ich jetzt lächeln und habe folgendes geantwortet: „Innere Losgelassenheit ist das, was ich hier nicht an den Tag legen kann!“ Die Prüfer mussten jetzt auch lächeln – nicht bestanden – war das Ergebnis. Wenn auch die letzte Antwort durchaus einen absoluten Wahrheitsgehalt enthalten hatte.

Ich will diese Prüfung

Wieder zu Hause angekommen war mir eins klar: du musst nicht mehr lernen. Du musst nur deine Prüfungsangst in Griff kriegen. Mit 30 Jahren hat man ja bereits die Ein oder Andere Prüfung in seinem Leben gehabt. Im Normalfall auch bestanden. Aber je länger ich über meine vergangen Prüfungen nachgedacht habe, desto deutlicher ist mir bewusstgeworden – aus meiner anfänglichen Prüfungsangst ist eine regelrechte Prüfungspanik entstanden. Was also nun tun. Schlaue Tipps von Freunden gab es zu genüge: „du kannst des doch“ „bleib doch einfach ruhig“ „du musst nur an dich glauben“ – ja schön. Weiß ich auch. Hilft mir aber nix. Also ran an den Computer und Google befragen. Google, wäre nicht Google, wenn es keine Idee hätte.

(c) genialico

Foto: genialico.de

Auf der Suche nach einem Mentalcoach bin ich dann auf „Genialico“ gestoßen. Alexandra und Michael leben, wohnen und arbeiten am wunderschönen Ammersee. Ein kurzes Telefonat zur Terminabstimmung und schon habe ich mich auf den Weg gemacht.

Mission Prüfungspanik verbannen

„Wer bist du und was kannst du?“ war so ziemlich die erste Frage. „Ich bin nix. Also ja, doch, ich bin Mama. Ja, ich hab mehrere Schulabschlüsse. Ja, Lehre und Studium hab ich auch abgeschlossen. Aber, nein. So was richtig Tolles bin ich nicht. Keinen Titel, keinen Doktor.“ Dann wollten die zwei von mir wissen auf was ich stolz bin. Gute Frage. So richtig stolz bin ich nicht. Gut, manchmal, wenn mir ein Schweinebraten gut gelingt, dann sag ich schon mal, dass ich „bissi stolz bin auf mich“. Aber des mein ich natürlich nicht so. Hat halt geklappt. Sonst hab ich noch nicht viel gerissen in meinem Leben.

Alexandra und Michael sitzen vor mir uns schauen mich mit großen Augen an. Ich hab des Gefühl die glauben mir nicht so richtig. Dann geht’s ans Eingemachte: „Schreib mal alles auf, was du kannst. Was du gut kannst, was du erreicht hast.“ Der Zettel bleibt lange leer. Dann fällt mir was ein. „Ich glaube, also manchmal habe ich das Gefühl, ich kann ganz gut Theater spielen. Also nicht, dass ich des irgendwie gelernt hätte. Aber ich glaube, wenn ich auf der Bühne stehe und eine Figur spiele, dann nehmen die im Publikum mir ab, dass ich das bin. Also es gibt bestimmt viele, die es viel besser machen – aber vielleicht mach ich des auch ganz gut!“ Beide grinsen jetzt. Ich habe mal wieder völlig übertrieben. Mist, die zwei denken jetzt bestimmt, dass ich meine, ich wäre Meryl Streep. „Großartig, und jetzt sagst du das nochmal ohne ´vielleicht´ ´manchmal´ ´eigentlich´!“ Ich muss tief Luft holen: „ich kann Theater spielen“ fühlt sich gut an, wenn ich des sage. Und zum ersten Mal seit langem merke ich, wie meine Augen anfangen zu leuchten. Und zwar nicht, weil sich tränen sammeln, sondern weil ich wirklich Theater spielen kann. „Bist du nervös, wenn du auf der Bühne stehst? Hast du Lampenfieber?“ Ich muss gar nicht nachdenken. Bei der Antwort bekomme ich gleich etwas Bauchkribbeln und Herzklopfen „Nein“ und dieses Nein kommt mit voller Überzeugung. Ich habe wirklich keine Angst. Klar, ein bisschen Lampenfieber, aber das fühlt sich großartig an. Es kribbelt dann im ganzen Körper, im Kopf ist auf einmal alles leer und schwarz, so lange bis ich die Bühnentüre öffne und weiß, alle Augen aus dem Publikum schauen auf mich – dann bin ich das kleine Bauernmädel, die heimliche Geliebte oder die französische Stewardess. Angst habe ich nicht. Ich weiß, dass ich auf der Bühne eine „sichere Bank“ bin. Wenn der Vorhang auf ist, kann ich mich auf mich verlassen – und alle anderen können sich auch auf mich verlassen. Während ich von meinen Theatererfahrungen erzähle werde ich immer größer in meinem Stuhl. Wir reden noch ein bisschen über das Theaterspielen, über meine Erfahrungen, schließlich stehe ich seit 25 Jahren regelmäßig auf der Bühne. Und zwar nicht auf einer kleinen Dorfbühne, sondern im Leiberheim. Die Volksbühne zählt zu Deutschlands größten Amateurbühnen.

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Jetzt wird geübt: der Körper kann Gefühle gut speichern. Das „gute Bauchgefühl“ müssen wir jetzt auf die „Erinnerung“ im Kopf legen. Aha! Im ersten Moment kann ich mir das nicht so richtig vorstellen. Aber, ich darf die Prüfung nur einmal wiederholen – also ran an den Speck. In einigen wenigen Übungen legen wir immer wieder das „gute Bauchgefühl“ von der Theaterbühne über die „Erinnerung“ von Dingen, vor denen ich Angst habe: also meine Prüfung!

Je öfter ich das mache, desto besser wird mein Bauchgefühl, wenn ich an die anstehende Prüfung denke.

„Hast du ein Lieblingslied?“ fragt mich Alexandra bei unserem nächsten Treffen. Puhh! Eins? Ich liebe Musik. Ich habe ganz viele Lieblingslieder. „Ich meine ein Lied, bei dem es dir so richtig gut geht. Das du anhören kannst und bei dem du sofort gute Laune bekommst.“ Ich muss kurz überlegen. Klar habe ich solche Lieder. Mehrere. Je nach Situation. Wenn´s zum Beispiel Wies´n ist, dann kribbelts beim „Bayerischen Defiliermarsch“, wenn wir auf Mallorca gelandet sind, dann können die Gipsy Kings mit ihrem „Djobi Djoba“ dieses Gefühl hervorrufen und zur Karnevalszeit bekomme ich Gänsehaut bei Brings „Kölsche Jung“. Ich denke noch einen kurzen Moment nach. Dann fällt mir was ein. „Ja habe ich.“ Ich erzähle Alexandra von Michi Dietmayr´s „Des ist schee“

In dem Refrain singt er

´olles was schee is, soi ruhig so bleim, schlechte Erinnerungen lösch ma, packen nur des guade ei, olles was schee ist, speichert ma ab, na merkt ma moi wia guads a jeder von uns hat.´

Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wird es zum absoluten Lieblingslied.

Jetzt muss ich das Lied in meinem Kopf abspielen und gleichzeitig mit dem guten Bauchgefühl verbinden. Das klappt ganz großartig. Dann kommt die „Erinnerung“ an die Prüfung dazu. Es braucht einige Zeit, bis sich alles zu einem guten Gefühl entwickelt. Wir machen noch einige Übungen. Am Ende unseres Trainings ist es dann so: Die Musik im Kopf geht an, der Prüfungsraum ist meine Bühne und die Prüfer mein Publikum. Vorhang auf und Bühne frei.

Bei der Prüfung will ich das dann sofort probieren. Ich muss in die Reithalle und merke, wie die Knie wieder weich werden – Musik im Kopf ganz laut aufdrehen sag ich mir. Es klappt. Michi singt aus voller Inbrunst in meinem Kopf. Jetzt werden die Hände doch wieder etwas zittrig, als die Pferde in die Bahn kommen: Vorhang auf! Ich stelle mich ganz grade hin. Ich höre nix um mich rum. Ich kann alles ausblenden. „Wenn der Vorhang auf geht, wird es dunkel im Saal“ und genauso ist es jetzt auch. Ich sehe nur „meine Bühne“ die Pferde und kann ganz entspannt und in Ruhe mein Wissen abrufen. Kleinere Zweifel, gepaart mit Ehrgeiz steigen immer wieder in mir auf und jedes Mal drehe ich die Musik im Kopf etwas lauter. Das läuft sehr gut. Habe ein tolles „Bauchgefühl“. Jetzt noch die Theoretische Prüfung. Und wieder: Vorhang auf, Bühne frei, Musik laut machen und „Theaterspielen“ ich kann mich auf mich verlassen, stehe ja auf der Bühne. Ich kann meinen Text abrufen! Und was soll ich sagen: das Publikum kauft es mir ab! Also das heißt, meine Prüfer sind zufrieden. Sicher – es gibt Leute die es besser machen. Aber ich bin ja auch keine Oscar-Preisträgerin. Bin nicht Ernie Singerl und auch nicht Grete Weiser. Aber ich habe bestanden. Mit einem guten Gefühl im Bauch.

Seit dieser Prüfung kamen immer wieder Situationen, in denen ich nervös war. Situationen die einer „Prüfung“ gleich kamen. Ein paar Minuten sammeln, Musik laut aufdrehen und Vorhang auf! Ich konnte bis jetzt alles prima meistern.

An dieser Stelle möchte ich mich von ganzem Herzen für die tolle Arbeit von Alexandra und Michael bedanken. Ihr habt es geschafft mit mir meine Stärken herauszuarbeiten! Stärken von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Ihr habt mir ganz viel positives Bauchgefühl und Sicherheit gegeben und es gibt so viele Situationen in meinem „verrückten“ Leben, die seit der Zeit bei Euch viel einfacher zu bewältigen sind. Die Zeit bei und mit Euch war eine wunderbare Erfahrung. Einzig schade ist, dass ich Euch nicht schon früher kennen gelernt habe – es wäre so vieles in meinem Leben einfacher gewesen! Und ich freue mich jetzt schon darauf, wenn es für meine Mädels mal an der Zeit ist, dass sie eine „Genialico“ – Idee brauchen!  Übrigens: die nächste Prüfung steht auf dem Plan und ich freue mich darauf.

 

Alexandra und Michael machen zwar einen Großteil dieses Erfolgs aus, sind aber nicht alleine daran schuld. Deswegen, möchte ich hier noch ein paar Worte loswerden: ein herzliches Dankeschön an meinen lieben Mann. Der musste mich schließlich singend ertragen. Herzlichen Dank auch an meine bezaubernden Kinder, die so stolz sind auf ihre Mama. Lieben Dank an Michi Dietmayr, der zwar nix davon weiß, aber einfach ein tolles Lied geschrieben (und gesungen) hat. Und natürlich auch von ganzem Herzen Danke an meine Eltern, meine Schwester und meinen Schwager, die mir zu jeder Zeit den Rücken freigehalten haben! Ihr seit einfach WUNDERBAR!

2 comments

  1. Alexandra says:

    Liebe Franzi,

    vielen vielen Dank für diesen tollen Beitrag …. uns freut Dein Feedback so sehr …

    Wir waren schon so happy, als Du uns informiert hast, dass Du bestanden hast. Und wir waren uns vorher schon sicher ;-)…

    Deine Worte lösen bei mir Gänsehaut aus …. vielen lieben Dank dafür … Ich freue mich sehr, wenn wir uns wieder sehen. Dich auf der Bühne oder Deine Mädels ….

    Liebe Grüße

    Alexandra

    • PaulinaKlann says:

      Liebe Alexandra,

      sehr, sehr gerne! Es war wirklich eine tolle Erfahrung – und ich bin noch immer soooooooo HAPPY, dass ich es geschaft habe! DANKE dafür!
      Freue mich, Euch ganz bald wiederzusehen.

      Bis dahin, alles Liebe und Gute

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