#bestegäste

Ich weiß, ich habe schon oft über die geilsten Gäste geschrieben. Über die Besten und die Tollsten und die Wunderbarsten. Fällt mir ja auch leicht. Schließlich sind all diese Gäste immer bei mir. Heute am 4. Wiesntag habe ich mal drüber nachgedacht was es eigentlich ist. Warum meine Gäste die Besten sind. Was macht denn einen guten Gast aus? Und viel wichtiger: was macht den besten Gast aus?

Die kurze Seite des Biertisch

 

Die Tische in meinem Service gehören meinen Gästen. Die Bänke auch. Nur die kurze Seite des Biertisches – die gehört hin und wieder mir. Auf einer Tiefe von ca. 30cm muss ich diesen Platz für mich beanspruchen. Nämlich immer dann, wenn ich mit Getränken aus der Schänke oder dem Schlitten aus der Küche komme. Irgendwo muss ich die Ware ja abstellen.

Wenn ich mit zwei Bier komme oder einem Teller, dann ist immer Platz auf meinem Teil des Tisches. Immer. Wenn ich mit 12 Maß oder einem Schlitten voll mit 8 Tellern komme, dann liegen da Handtaschen, Jacken und Schirme, stehen Maß´n und Gläser rum. Und die Gäste schauen mich mit großen Augen an und freuen sich, dass ich so viel auf einmal tragen kann. Ich freu mich auch, vor allem, wenn ich endlich abstellen darf. Bei normalen Gästen bewegt sich niemand. Da kommen dann die besten Gäste ins Spiel. Wenn ich bei meinen besten Gästen an den Tisch komme, dann wird „mein Bereich“ leer geräumt, noch weit bevor ich da bin, also im Prinzip in dem Moment in dem die Bestellung aufgegeben wird. Großartig ist des. Ankommen mit 12 Maß, abstellen und gut. Klar, ich könnte den anderen einfach sagen, die sollen ihr Hab und Gut da weg nehmen, kann ich aber nicht. Weil ich die Kraft nämlich zum tragen brauche, da ist zum reden nichts mehr da.

Meine Maß, deine Maß

Die Maß gehört der Bedienung. Und zwar so lang bis die Bedienung dem Gast die Maß in die Hand drückt! Immer. Überall. Nicht weil wir böse sind, nicht weil wir keine Hilfe wollen. Sondern weil eine Bedienung 12 Maß und deren Besitzer im Kopf hat – nicht nur deine Eine! Soll heißen: lange niemals in die Maß! Und wenn die 3 Minuten auf deinem Tisch stehen – Finger weg! Du bekommst deine schon. Irgendwann. Die tollsten Gäste sitzen einfach da, sabbernd, halb verdurstet, aber sie würden keine Maß wegnehmen. Niemals. Die anderen Gäste langen sofort hin, nehmen die eine weg, die eingehackelt in den anderen steht und schmeißen damit gleich 3 um. Herzlichen Glückwunsch! Aber bei mir machen die des nur einmal – das zweite Mal kommen sie entweder nicht mehr, oder sie trauen sich gar nicht mehr hinzulangen. Ja, ja, man muss sich seine Pappenheimer schon erziehen!

Kaffee

Bei mir im Zelt gibt´s alles. Von Schwein bis Rind über Vegan. Von Wasser bis Champagner über Bier. Aber keinen Kaffee. Schließlich sind wir ein Bierzelt und keine Kaffeebude! Es gibt daher nur ganz ganz wenig, was mich mehr freut, als ein Gast, der mit einem Mäci Kaffee um die Ecke kommt. Einfach, weil Kaffee mein Lebenselixier ist. Der muss nicht mehr heiß sein, es muss auch nicht am Vormittag sein. Kaffee geht immer. Sogar Abends kurz vorm Reseriverungswechsel oder gleich danach. Keine gebrannte Mandel und keine Schokofrüchte kommen an den schwarzen Pappbecher! Die wundervollsten Gäste sprechen sich ab: heute der Eine, morgen der Andere – Hauptsache, der Paula ihr Coffein-Haushalt ist aufgefüllt.

Blickkontakt

Manchmal sitzen an einem Tisch nur 5 oder 6 Gäste. Manchmal noch weniger. Zamrutschen und dazusetzen lassen gehört in Bayern zum guten Ton. Sehr gerne. Aber nicht so ohne weiteres jeden. Da bin ich eigen. Was helfen mir schon 3 verkaufte Maß mehr, wenn die Gäste dann unter den Tisch speiben. Oder die Flasche Wein, die sie bestellen, die dann nachher keiner mehr zahlen mag – weil plötzlich alle mitgetrunken haben. Ich weiß schon, beim Lesen kann man sich das jetzt vielleicht nicht genau vorstellen, was ich meine – aber meine bezaubernden Gäste wissen genau was ich damit meine. Deswegen halten die Blickkontakt mit mir: ein kurzes Augen rollen oder ein verschmitztes Grinsen reicht meist aus und der Tisch ist entweder „reserviert für die, die grade Wilde Maus fahren“ oder „sehr gerne könnt ihr Euch dazu setzen, ist ja noch Platz“ – übrigens: meistens sind herrliche Bekanntschaften draus entstanden – manchmal auch nur eine Stadtführung durch München für die Kinder…

A Bussi

Bereits mehrfach erwähnt habe ich, dass ein Bussi zur Wiesn gehört. Genau so wie der Schaum auf´s Bier. Allerdings: sind euch schon mal die unterschiedlichen Schaumkronen der unterschiedlichen Biere aufgefallen? Von cremig zart bis luftig porös – je nach Biersorte. So ist des mit den Bussis auch! Wenn gleich die Paula gerne in Arm genommen wird und für fast jedes Bussi zu haben ist – hin und wieder glangts ihr einfach. Und dann braucht es kein Bussi und kein in Arm nehmen und kein Betatscht werden. Meine bezaubernden Gäste wissen das ziemlich genau. Da reicht dann ein Blick vom Gast, der der Paula sagt: i bin da – lass di ned stressen. Im Umkehrschluss braucht es auch manchmal ein richtig dickes Bussi, damit für den Moment klargestellt wird, dass es bei der Paula keinen Verhandlungsspielraum gibt! Auch des wissen meine bezaubernden Gäste – noch bevor ich es ihnen gesagt habe.

Einfach so

Ich behaupte mal, dass meine Gäste, einfach so, wunderbar sind. Das wir uns gegenseitig ausreichend erzogen haben und genau wissen, was wir aneinander haben. Und weil des so ist, habe ich eben die besten, wundervollsten, liebenswürdigsten und herausragendsten Gäste der Welt! Und dafür möchte ich heute DANKE sagen.

Weil meine Gäste immer da sind und alles mitbekommen, müssen sie mich auch oft ertragen, wenn ich mal wieder schimpfe, oder fluche oder einfach meine drolligen 5 Minuten habe. Wenn ich völlig narrisch bin, weil irgendwas grad nicht rosa ist. Weil ich mich ärger oder weil es halt einfach so ist. Oder – weil Reservierungswechsel ist. Dazu aber ein andermal gerne mehr!

Ihr narrisch-verrückten seid es, die meine Wiesn ausmachen. Schön, dass es EUCH gibt. DANKE, dass ihr jedes Jahr auf´s Neue dabei seid.

Für nächstes Jahr nehme ich mir vor, mit jedem von Euch ein Blog-taugliches Foto zu machen… damit solche Einträge nicht so fad sind – der faines halber werde ich jetzt kein Bild dazu packen – soll ja niemand benachteiligt werden…

Notiz: neue Gäste lernen schnell – dua de Finger weg – wir brauchen ein Video

One thought on “#bestegäste

  1. Hi, meine Liebe! Beim surfen im In habe ich erst heute (18.06.2018) Deinen Blog entdeckt. Geht der noch weiter?
    LG vom Patentonkel

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